Uni.Urban.Mobil.

Warum der Templergraben nicht für den Taxiverkehr freigegeben werden sollte

Stellungnahme 13.06.2022

Aus der aktuellen Medienberichterstattung ist zu entnehmen, dass die Aachener Stadtverwaltung plant, den autofreien Templergraben für den Taxiverkehr zu öffnen. Eine Öffnung für den Taxiverkehr gefährdet den Erfolg der Netzdurchtrennung am Templergraben. Uni.Urban.Mobil. fordert daher, dass diese Regelung – wenn überhaupt – nur zeitlich begrenzt bis zur Fertigstellung der Turmstraße besteht. Daher fordern wir auch eine Debatte mit Beschluss im Mobilitätsausschuss.

Die Öffnung des Templergrabens für den Taxiverkehr wird den Charakter des bisher überaus erfolgreichen Reallabors deutlich verändern. Die neue und große Aufenthaltsqualität des viel genutzten Platzes konnte nur entstehen, indem der Großteil des motorisierten Verkehrs unterbunden wurde. Eine Öffnung für den Taxiverkehr würde die Qualität des öffentlichen Raumes nun wieder stark beeinträchtigen, insbesondere da davon auszugehen ist, dass damit auch das unerlaubte Durchfahren des Templergrabens durch sonstige Kraftfahrzeuge zunehmen wird (Sogwirkung).

Neben der Verbesserung der Situation auf dem Templergraben selbst ist ein weiteres Ziel der Netzdurchtrennung, Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herauszuhalten, dabei aber die Erreichbarkeit aller Ziele in der Innenstadt zu erhalten. Hierbei gibt es grundsätzlich keinen großen Unterschied zwischen selbstgefahrenen Pkw und Taxis, denn auch für letztere sind alle Ziele auch seit Einrichtung der Netzdurchtrennungen am Templergraben und am Annuntiatenbach erreichbar. Der Taxiverkehr hat nach wie vor die Möglichkeit, den Grabenring am Elisenbrunnen zu befahren - hier gibt es im Gegensatz zum Templergraben wichtige Ziele, die erreichbar sein müssen.

Auch wenn Taxiverkehr unter bestimmten Bedingungen zum ÖPNV gezählt werden kann, teilt er sich dennoch viele Probleme mit dem herkömmlichen Kfz-Verkehr. Dies betrifft zum Beispiel den hohen Flächenverbrauch, die soziale Verträglichkeit, die Lärmbelastung und den CO2-Ausstoß. Letztere sind durch den hohen Anteil von Leerfahrten im Taxiverkehr sogar besonders problematisch.

Auch die langfristige Entwicklung des Templergrabens wird eingeschränkt, da eine physische Unterbindung des Kfz-Verkehrs durch eine Freigabe für Taxis sehr viel komplexer wird. Bei einer Installation von versenkbaren Pollern müssten so zum Beispiel nicht nur alle Busse, sondern auch Taxis aller Anbieter über die notwendige Technologie zum Öffnen verfügen. Andere Formen der Unterbindung, zum Beispiel die einer Busschleuse, werden sogar komplett unmöglich.

Durch die Sperrung der Turmstraße im Zuge des Ersatzneubaus der Brücke hat sich die Situation dahingehend geändert, dass sich die Ausweichrouten verlängert haben. Ein Kollaps des gesamten Straßenverkehrs und eine unzumutbare Erhöhung der Reisezeiten sind aber ausgeblieben. Da der Elisenbrunnen für den Taxiverkehr zur Verfügung steht, sind die Umwege für Taxis in vielen Fällen kürzer als für den restlichen Autoverkehr. Zusätzlich profitiert der Taxiverkehr von der gewollten Entlastung des Grabenrings.

Aus diesen Gründen halten wir eine Freigabe des Templergrabens für Taxen nicht nur für nicht notwendig, sondern den Zielen der Netzdurchtrennung am Templergraben entgegenstehend. Sollte der Templergraben dennoch mit Verweis auf die verlängerten Umwege nun für den Taxiverkehr freigegeben werden, so kann dies nur als zeitlich begrenzte Maßnahme beschlossen werden und muss mit Ende der Baustelle Turmstraße zurückgenommen werden. Ansonsten werden langfristig die Ziele einer Aufwertung der Innenstadt und einer ökologischeren Mobilität an dieser Stelle gefährdet.

Weitere Informationen

Templergraben

Durch unseren Bürgerantrag ist der Templergraben autofrei. Gemeinsam mit dem AStA, der Stadt Aachen und vielen weiteren studentischen & städtischen Initiativen wollen wir den autofreien Templergraben beleben. Macht mit!

templergraben.de → Living lab: Templergraben (en)

Nächster Beitrag

Unsere Position zur Stellplatzsatzung

Stellungnahme 21.08.2022

Die Stellplatzsatzung der Stadt Aachen legt fest, wie viele Kfz- und Radstellplätze bei Neu- und Umbauten geschaffen werden müssen (und dürfen).