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Wie sollte es mit dem Reallabor Templergraben nach dem 25. Oktober weitergehen?

Stellungnahme 22.09.2021

Wir haben die Fraktionen gefragt:

“Wie sollte es mit dem Reallabor Templergraben nach dem 25. Oktober weitergehen?”

Das Reallabor Templergraben endet nach atuellem Plam am 25. Oktober.

Wir haben in den letzten Monaten gesehen, wie ein neuer Stadtraum funktionieren kann. Jetzt muss die Politik Mut beweisen, den autofreien Templergraben beizubehalten.

Nach unserer Kampagne im letzten Jahr und des großen Einsatzes vieler Akteur:innen in diesem Sommer ist unser Standpunkt eindeutig: Der autofreie Templergraben funktioniert. Zudem gibt es weiterhin Bedarf, eine weitergehende Verkehrsführung auszuprobieren, damit die Verkehre auf den Alleenring und nicht in die Innenstadt verlagert werden. Daher gibt es keinen Grund, die Verkehrsführung am 25. Oktober zurückzudrehen - ganz im Gegenteil gibt es die Notwendigkeit, die Verkehrsführung weiter zu entwickeln.

Am 29. September ist die letzte Sitzung des Mobilitätsausschusses vor diesem Stichtag. Wir erwarten von der Politik dann ein eindeutiges Bekenntnis für den autofreien Templergraben.

Das sagen die Fraktionen

Im Vorfeld haben wir alle demokratischen Parteien gefragt.

Grüne

Aus Sicht der Grünen Fraktion ist die Netzdurchtrennung am Templergraben ein voller Erfolg! Es sind tolle Initiativen entstanden, die aus dem Straßenabschnitt einen sehr belebten Ort gemacht haben. Das Engagement von U.U.M. und anderer gesellschaftlicher Gruppen hat dazu Beigetragen, die Aktionen rund um die Woche der Mobilität und genauso das Stadtglühen.

Grundsätzlich sind wir dafür, das Projekt weiterzuführen, und am besten dauerhaft zu verstetigen.

Vorher möchten wir aber die Evaluation des Reallabors gründlich auswerten – der erste Bericht im Mobilitätsausschuss dazu war bereits vielversprechend. Sobald die Auswirkungen der Sperrung in der Turmstraße ausgewertet sind, können wir in der Zusammenschau bewerten, ob eine dauerhafte Netzdurchtrennung am Templergraben machbar ist – was wir sehr hoffen!

Wichtig ist dann aber auch die Schleifenerschließung und der Umbau des Grabenrings in einen Radverteilerring. Diese Projekte müssen in den kommenden Jahren hohe Priorität haben, um aus dem Reallabor eine erfolgreiche und umfassende Mobilitätslösung für Aachen zu machen.

CDU

Die CDU Fraktion hat uns bis zum 22. September leider keine Antwort zukommen lassen. Am 24. September wurde folgende Antwort nachgereicht:

Wir halten das Reallabor generell für ein wichtiges Instrument der Stadtentwicklung. Es ermöglicht verkehrliche und sonstige Änderungen zunächst zu erproben, bevor dauerhafte Maßnahmen durchgeführt werden. Die dabei gewonnen Erfahrungen sind eine solide Grundlage für weitere Entscheidungen.

Auch das Reallabor am Templergraben verstehen wir als Testphase, die planmäßig am 25. Oktober endet. Im weiteren Verlauf gilt es dann die Ergebnisse des Reallabor zu sichten. Auf dieser Basis kann dann erörtert werden, inwiefern die Verkehrsführung am Templergraben dauerhaft weiterentwickelt werden kann.

Dabei ist es uns wichtig, die Aufenthaltsqualität sowie die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmende zu erhöhen. Wir sind uns auch der kommunalpolitischen Verantwortung für den Klimaschutz bewusst. Zugleich ist unser Ziel, dass die Aachener Innenstadt erreichbar bleibt.

Bezüglich der Umsetzung einer dauerhaften Veränderung der Verkehrsführung am Templergaben wollen wir in jedem Fall zunächst den im Herbst beginnenden Abriss und Neubauder Brücke Turmstraße abwarten. Die notwendigen Bauarbeiten werden im nordwestlichen Bereich Innenbereich des Alleenrings für alle Verkehrsteilnehmenden erhebliche Auswirkungen haben. Es macht daher Sinn die Fertigstellung des Brückenneubaus und damit die Rückkehr der verkehrlichen Normalität in diesem Bereich abzuwarten, bevor weitere Maßnahmen umgesetzt werden.

SPD

Es ist richtig, dass das Reallabor zum 25. Oktober ausläuft. Wir haben uns deshalb mit anderen Fraktionen dafür eingesetzt, dass die Ergebnisse des Reallabors zusammengetragen und die Datenlage in der nächsten Sitzung des Mobilitätsausschusses vorgestellt wird.

Wir erwarten, dass in dieser Sitzung auch entsprechende Schlüsse bzw. Szenarien für das weitere Vorgehen vorgetragen werden und planen in Vorbereitung der Beratungen im Ausschuss die Verwaltung auch in unsere Fraktionssitzung einzuladen.

In diesem Rahmen werden wir heraus arbeiten, welche Maßnahmen aus den Daten abgeleitet werden und wie es am Templergraben und in den umliegenden Straßen am besten weiter geht. Uns ist wichtig, dass es dabei eine vorausschauende Planung gibt, die Annuntiatenbach, Jakobstraße und die Planungen zum Radverteilerring mit einbezieht.

Durch die Terminierung der Sitzung des zuständigen Ausschusses auf den 30.9. und des Rates auf den 6.10. bleibt genügend politische Entscheidungszeit, um verschiedene mögliche Szenarien zu beraten und zu beschließen.

Uns ist es wichtig, dabei auch die Öffentlichkeit und die Bezirksvertretung zu beteiligen.

DIE Zukunft (Volt + Piraten + UWG)

Wir haben stets die Position vertreten, dass wir den Templergraben in seiner Funktion von einer redundanten Abkürzung für PKW hin zu einer Aufenthaltsfläche mit einer Umweltspur entwickeln wollen. Entsprechend setzen wir uns für eine Verstetigung der aktuellen Verkehrsführung ein. Wir sehen das Reallabor bisher als großen Erfolg an.

Uns fehlt noch eine verkehrsplanerische Bewertung der Rolle des Templergrabens im Verkehrsnetz. Wenn diese Bewertung keinen Zwang ergibt, den Templergraben in naher Zukunft für den MIV offen zu halten, werden wir uns für eine durchgehende Beibehaltung der heutigen Führung einsetzen.

FDP

Wir haben die Schließung des Templergrabens immer schon ablehnt und stehen damit auch nicht auf einsamer Flur. Auch die ehemalige Umweltdezernentin, Gisela Nacken, hat das Ansinnen des damaligen Rektors der RWTH, Prof. Rauhut, für nicht zielführend gehalten. Damals kam es dann zur Kompromisslösung des sog. „Shared Space“ das wir auch sehr unterstützt haben. Leider ist es dann aus rechtlichen Gründen nicht zur Verwirklichung dieser Lösung gekommen

Gegen eine Sperrung sprachen damals und auch heute wesentliche Gründe:

  1. Der innerstädtische Ringverkehr wird unterbrochen. Dieser ist wichtig um den Altstadtkern zu entlasten.
  2. Wie auch die aktuellen Zahlen zeigen, führt die Sperrung zu einer Mehrbelastung der umliegenden Straßen. Das haben wir auch schon so vorhergesagt. Von dort gab es auch zahlreiche Beschwerden von den Anwohnern. Da wir als FDP uns als Vertreter aller Bürger und Bürgerinnen sehen, sind uns auch die Interessen der dortigen Bürger sehr wichtig.
  3. Die vorliegenden Zahlen sind wenig aussagekräftig. Es gibt einige Gründe warum dies so ist: Corona, Sommer- bzw. Semesterferien, Sperrung der Ludwigsallee, usw.

All dies veranlasst uns die Sperrung des Templergrabens auch weiterhin nicht zu befürworten.

Die Linke

Als ersten Schritt halten wir eine Fortführung des Reallabors mit der Betrachtung einer Sperrung am Annutiatenbach für geboten.

Sofern dabei keine völlig überraschenden Probleme auftreten, würden wir den Templergraben gerne dauerhaft für den motorisierten Individualverkehr sperren, da der Grabenring nur dann als Radverteilerring funktionieren kann, wenn der motorisierte Durchgangsverkehr draußen gehalten wird (eventuell mit einer Unterbrechung für den Zeitraum, in dem die Turmstraße aufgrund der Brückenerneuerung gesperrt werden muss).

Fette Hervorhebungen sind Anmerkungen der Redaktion.

Weitere Informationen

Reallabor: Templergraben

Durch unseren Bürgerantrag ist der Templergraben autofrei. Gemeinsam mit dem AStA, der Stadt Aachen und vielen weiteren studentischen & städtischen Initiativen wollen wir den autofreien Templergraben beleben. Macht mit!

templergraben.de → Living lab: Templergraben (en)

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