Uni.Urban.Mobil.

Hintergründe zum Templergraben

Ankündigung 13.07.2020

Wir freuen uns, dass über unser Thema weiter berichtet wird. Da uns in der Diskussion einige Aspekte zu kurz kommen, beantworten wir einige Fragen zu unserem Bürgerantrag hier ausführlich.

Diese Zusammenstellung ist eine überarbeitete Version der Antworten, die wir der Aachener Zeitung für die am 13.07.2020 erschienenen Artikel zugesandt haben.

Wie viele Autos, Busse, Radfahrer*innen und Fußgänger*innen verkehren dort täglich?

Dass der Templergraben ein Hotspot von Mobilität in Aachen ist lässt sich nicht bezweifeln. Vor allem studentische Mobilität durch die Nähe zum zentralen Universitätscampus und den Verwaltungsgebäuden sowie der Universitätsbibliothek findet hier vermehrt statt. Im Erläuterungsbericht zur Umgestaltung des Templergrabens aus dem Jahr 2009 werden folgende Zahlen genannt:

  • in Höhe von Hauptgebäude und Super C querten fast 9.000 Fußgänger*innen und Radfahrer*innen/12 Stunden
  • längs des Templergrabens waren ca. 2,2-mal so viele Fußgänger*innen (11.148/12 h) und Radfahrer*innen (1.729/12 h) unterwegs, wie Kfz (5.770 Kfz/12h einschl. Linienbus-Verkehr)

Aus dem aktuellen Busplan ist leicht zu entnehmen, dass am Templergraben zwischen 0 (sonntags) und 52 (freitags) Busse pro Tag und Richtung fahren. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass durch eine Reduzierung des Verkehrs auf dem Templergraben insbesondere der Busverkehr auf der Wüllnerstraße und in Richtung Driescher Gässchen profitieren würde.

Die Bedeutung von Fuß- und Radverkehr lässt sich an einem Wochentag in normalen Zeiten deutlich erkennen. Als Abschnitt des künftigen Radverteilerrings und in Anbetracht der Pläne der Hochschule rund um das Kármán-Auditorium wird die Bedeutung weiter steigen.

Was ist „Schleichverkehr“?

Der Templergraben ist nach dem Netzkonzept der Stadt Aachen keine Hauptverkehrsstraße. Die Hauptverkehrsströme sollen über Hauptverkehrsstraßen geleitet werden. Der Durchgangsverkehr auf dem Templergraben, das sind Autofahrten, die dort kein Ziel haben, sind Schleichverkehre.

Wir verweisen auf das Netz nach RIN 08, siehe dazu den Beschluss des Mobilitätsausschusses aus 2017. Demzufolge hat der Templergraben keine Verbindungsbedeutung.

Wer darf denn weiter auf dem Templergraben fahren? Werden dort E-Tretroller auch verboten?

Elektro-Tretroller sowie andere Elektro-Kleinstfahrzeuge sollen unserer Vorstellung nach weiterhin auf dem Templergraben fahren dürfen. Mit dem “motorisierten Individualverkehr” beziehen wir uns auf Autos und Motorräder – so wie man den Begriff in den einschlägigen Diskussionen versteht. Lediglich die oben beschriebenen Schleichverkehre, also Autofahrten, die auf dem Templergraben kein Ziel haben, sollen eingeschränkt werden. Der ÖPNV und die im Bereich liegende Bushaltestelle “Technische Hochschule” sind davon natürlich nicht eingeschränkt und dürfen den Templergraben weiterhin befahren. Auch Lieferverkehr mit Ziel im autofreien Bereich soll selbstverständlicherweise weiterhin erlaubt bleiben.

Wie sollen verhindert werden, dass Autos auf die Königstraße, Anunntiatenbach, Eilfschornsteinstraße ausweichen?

Mögliche Ausweichverkehre auf dem Anunntiatenbach und der Jakobstraße zu unterbinden ist ebenfalls ein Teil unserer Forderungen. Wir können keine abschließende Maßnahme für die Umsetzung empfehlen, jedoch haben ähnliche Vorhaben in anderen Städten gezeigt, dass zum Beispiel durch weitere Modalfilter und Durchfahrtsbeschränkungen diese Ausgleichverkehre unterbunden werden können. Die endgültige Entscheidung über diese Maßnahmen überlassen wir natürlich den Fachleuten der Verwaltung, da diese am besten alle Fakten und Interessen berücksichtigen können.

Soll die Maßnahme vor 2024 - noch vor Abschluss des Brückenneubaus auf der Turmstraße - umgesetzt werden?

Eine möglichst kurzfristige Umsetzung der Maßnahme ist wichtig um zu zeigen, was auf einem Platz im Campus möglich ist. Weitere 4 Jahre zu warten wäre eine Absage an die Verkehrswende in Aachen.

Brauchen wir den Templergraben als Umfahrung der Baustellen auf der Turmstraße und der Ludwigsallee?

Eine Vollsperrung der Ludwigsallee oder der Turmstraße für 3 Jahre wird es nicht geben, somit entstehen auch keine langfristigen Staus. Als Ersatz für die Ludwigsallee ist die Einrichtung eines Zweirichtungsverkehrs auf der Saarstraße geplant, die Turmstraße wird durch eine Hilfsbrücke je nach Bauphase ein Ein- oder Zweirichtungsverkehr ermöglicht. Vollsperrungen sind nur in einem Bruchteil der Bauzeit zu bau- und platzintensiven Arbeiten notwendig. Durch diese Maßnahmen wird die Verkehsführung so optimiert, dass sich nicht mehr Staus durch diese Maßnahmen bilden.

Gleichzeitig wären Ausweichverkehre auf den Grabenring fatal für den Bus- und Radverkehr. Insbesondere der Templergraben ist von der Flächenaufteilung nicht dafür ausgelegt. Daher sollen die Umleitungskonzepte eine möglichst weiträumige Umfahrung der Baustellen vorsehen. Je nach Bauphase können hier unterschiedliche Abwägungen getroffen werden – die Ansprüche des Fuß-, Bus- und Radverkehrs müssen hier aber in jedem Fall ausreichend widergespiegelt werden.

Unserer Kenntnis nach wurde – auch als Reaktion auf unseren Vorstoß – ein externes Büro zur Planung dieser Umleitungen beauftragt.

Wer unterstützt euch?

Neben der breiten Unterstützung von Verbänden, Initiativen, Fachschaften, politischen Jugendorganisationen und Hochschulparteien bekommen – diese sind auch unter uum-ac.de/templergraben gelistet, hat sich auch das Studierendenparlament der RWTH mit 37 Ja-Stimmen zu 3 Nein-Stimmen für den autofreien Templergraben ausgesprochen. Doch nicht nur hochschulnahe Unterstützer sind von der Idee überzeugt: Auch aus breiten Teilen der Politik haben wir bereits Zustimmung erhalten sowie 3 Einzelhändler*innen am Templergraben unterstützen den Plan.

Die Online-Petition ist ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit für unseren Antrag. Allerdings können wir in Zeiten von Corona nicht wie geplant mit den Bürger*innen persönlich in Kontakt treten, sondern verfolgen alternative, vorrangig digitale Kommunikationswege – mit denen sind wir sehr zufrieden. Mit Stand vom 07.07.2020 haben in Aachen allein etwa 1.560 Menschen die Petition unterzeichnet und setzen sich so direkt für den autofreien Templergraben ein.

Mit diesen starken Zahlen im Rücken freuen wir uns auf breite Diskussionen mit allen Interessierten und Kritikern um die Zukunft des Verkehrs in Aachen, zum Beispiel bei der Diskussion im Bürgerforum am 1. September!

Wer steckt hinter dem Bürgerantrag?

Der Bürgerantrag zur Unterbindung der Schleichverkehre auf dem Templergraben ist eine Zusammenarbeit von Uni.Urban.Mobil., dem VCD Aachen-Düren und ADFC Aachen. Hinter dem Antrag steht eine Gruppe von Bürger*innen, die sich für ihre Stadt, in der sie gerne leben, einsetzen.

Uni.Urban.Mobil. ist eine studentische Eigeninitiative an der RWTH, die von Studierenden im Radentscheid gegründet worden ist und sich seitdem selbstständig und im Dialog mit Verbänden, Politik und weiteren Akteur*innen mit Verkehrsthemen in Aachen und um den Campus auseinandersetzt.

Wann wurde der Radverteilerring beschlossen?

Der Radverteilerring ist Teil politischer Diskussion zwischen Verwaltung, Politik und Verbänden. 2017 wurde hierzu ein Bürgerantrag vom ADFC eingereicht. Zudem ist der Radverteilerring auf dem Grabenring Teil des beschlossenen Rad-Vorrang-Netzes und des Projekts #AachenMooVe!.

Wie die einzelnen Abschnitte genau ausgestaltet werden, ist noch Teil der politischen Diskussion - hierzu liegen weder öffentliche Planungen noch weitergehende Beschlüsse vor. Ein Ergebnis der Voruntersuchung seitens der Verwaltung steht noch aus. In unserem Bürgerantrag konzentrieren wir uns auf den Templergraben als autofreie Zone, weil es hierfür sehr gute Argumente gibt - dies möchten wir in den Planungsprozess einbringen.

Soll die ganze Innenstadt autofrei werden?

Wir betonen, dass nach dem Konzept der Schleifenerschließung (mehr dazu hier) die zentrale Innenstadt - insbesondere die Parkhäuser und Adressen der Anwohner*innen - mit dem Auto erreichbar bleibt und lediglich der Durchgangsverkehr unterbunden werden soll.

Weitere Informationen

Templergraben autofrei!

Wir haben zusammen mit dem VCD und ADFC einen Bürgerantrag zur Unterbindung der Schleichverkehre auf dem Templergraben eingereicht. Unser Antrag wurde am 1. September 2020 im Bürgerforum besprochen und am 3. September wurde ein Reallabor beschlossen.

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