Uni.Urban.Mobil.

Der RE9 darf nicht schlechter werden

Stellungnahme 20.10.2020

Der RE9-Takt wird ab 2021 für einzelne Fernverkehrs-Fahrten geopfert

Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember werden die Fahrten um 07:18, 11:18 und 13:18 des RE9 nach derzeitigem Stand nicht mehr über den Kölner Hauptbahnhof fahren, sondern über Köln Süd umgeleitet.

Hintergrund ist, dass die nötigen Schienenstrecken zu diesen Zeiten (so genannte “Trassen”) für Einzelfahrten von Fernverkehrs-Anbietern beansprucht werden. Bisher hat die zuständige Vergabestelle (die DB Netz AG) diese Trassen nicht dem RE9 zugeteilt.

Dabei ist der RE9 eine der meistgenutzten Linien in NRW - eine Reduzierung des Angebots wäre also absurd, ein Ausbau ist stattdessen notwendig!

Das Vergabesystem der Trassen benachteiligt systematisch die regionalen Taktfahrpläne

Das Problem hat System: So teilt die DB Netz AG den meistzahlenden Bahnen die Trassen zu. Bisher galt ein Rahmenvertrag, der die Fahrpläne der Regionalbahnen weitestgehend geschützt hat, welcher nun ausläuft. Der Besteller des Regionalverkehrs (der Nahverkehr Rheinland) hat eine Resolution verabschiedet, der eine Nachfolgeregelung fordert.

Im Regionalverkehr sind Pendler*innen - darunter auch viele Student*innen und Hochschulangehörige - auf regelmäßige und verlässliche Verbindungen für tägliche Wege angewiesen. Die Fahrpläne im Nahverkehr werden integral geplant, um Anschlüsse zu optimieren. Es ist unverständlich, dass dies hier keine Berücksichtigung findet.

Wir brauchen ein stärkeres regionales Angebot auf der Schiene

Das Problem ist auch durch die fehlende Infrastruktur bestimmt. Um weitere Beispiele zu nennen: Wegen der Überlastung der Strecke Stolberg - Aachen West drohen weitere Einschränkungen. Auf dem RE4 werden ab Dezember längere Fahrzeuge eingesetzt, allerdings sind Aachen West und Aachen Schanz nicht rechtzeitig verlängert worden, sodass längere Haltezeiten in Herzogenrath zur Teilräumung der Züge notwendig werden.

Es werden peu-a-peu viele gute Projekte auf den Weg gebracht, wie der schrittweise Ausbau der euregiobahn oder die Inbetriebnahme des RE18 nach Maastricht. Wir wollen mehr Angebot im SPNV:

  • Verlängerung des RE1/RE9 nach Aachen West und Verlängerung des RE4 bis Rothe Erde
  • Barrierefreier Ausbau des Bahnhofs Aachen West und Errichtung von Bahnsteigüberdachungen
  • Halt des RE18 an Aachen Schanz ermöglichen
  • Kürzere Verbindung nach Maastricht über Avantis auf der stillgelegten Bahntrasse
  • Elektrifizierung und Ausbau der euregiobahn, Fahrplanverstärkung für das regionale Netz in den Nachtstunden
  • Aufrechterhaltung der Verkehrsleistungen in Richtung Mönchengladbach (RB33 und RE4) und Ergänzung durch eine RE-Linie über Duisburg ins Ruhrgebiet
  • bessere grenzüberschreitende Verbindungen, durch modernere Fahrzeuge auf dem RE29 nach Belgien und Integration dieser Linie in das Semesterticket
  • durchgängiger Nachtverkehr im Stundentakt zwischen Köln/Rhein-Ruhr-Schiene und Aachen

Viele dieser Ideen sind nicht neu und lange diskutiert. Es ist an der Zeit, diese Ideen nicht mehr per Salami-Taktik umzusetzen, sondern endlich die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen in die Wege zu leiten, damit Nah-, Fern- und Güterverkehr nicht mehr auf dem knappen Platz konkurrieren müssen. All diese Maßnahmen brauchen viel Zeit, umso wichtiger, dass jetzt die Weichen gestellt werden.

Titelbild: © Fabian318 (Wikipedia), verwendet unter CC BY-SA 3.0

Nächster Beitrag

Eingabe zur öffentlichen Auslegung des Entwurfs zum Bebauungsplan Nr. 923 (Campus West)

Stellungnahme 01.11.2020

Trotz breitem Zuspruch aus der Politik ist die Sicherung der Radbrücke weiterhin unklar.