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Enttäuschung bei U.U.M. - die Pläne der Lintertstraße für die Radvorrangroute Brand überzeugen nicht!

Stellungnahme 16.09.2022

Worum geht es?

Das Radvorrang-Routen-Netz sollen zukünftig die Hauptachsen des Radverkehrs in die Stadtteile bilden und als solche sicher, komfortabel und attraktiv für alle Altersklassen befahrbar sein. Die Lintertstraße im Süd-Osten Aachens ist Teil der Radvorrang-Route nach Brand und soll daher umgestaltet werden. Ende August hat die Verwaltung in einer Bürger:inneninformation die aktuellen Gestaltungspläne vorgestellt. Diese beinhalten einen unterbrochenen Radweg stadteinwärts und nur einen Schutzstreifen stadtauswärts.

Die Aufzeichnung der Informationsveranstaltung ist auf YouTube (https://www.youtube.com/watch?v=cfzrMgiQZ80) verfügbar; die Pläne sind unter aachen.de/lintertstrasse einsehbar.

Warum ist das für U.U.M. und die Unis wichtig?

Zum einen wohnen Hochschulangehörige auch in Brand (und weiter hinaus), zum anderen wird hier der Grundstein für alle anderen Radvorrangrouten gelegt - also auch die an den Unis. Eine Gestaltung wie nun für die Lintertstraße halten wir generell nicht für geeignet, den Radverkehr und damit die Verkehrswende nach vorne zu bringen.

Das ist unsere Kritik

Die Pläne sollen neben den Zielen einer Radvorrangroute auch Rücksicht auf Baumbestand, den Parkraum, den Fußverkehr und den ÖPNV sowie der Funktion als Kreisstraße mit hohem Auto-Verkehrsaufkommen nehmen. Klar – das klingt super, jedoch kann bei den teils engen Straßenabschnitten nicht alles gleich gewichtet werden. Auf einer Radvorrangroute sollte daher die Priorität beim Radverkehr liegen.

U.U.M. sieht dabei vor allem den Konflikt zwischen Parkplätzen und Radverkehr. Hier werden Ziele verfolgt, die bei gegebenem Platzmangel nicht vereinbar sind; Varianten mit einem baulich getrennten, bequemer und sicheren Radweg wurde aufgrund der wegfallenden Parkplätze und Nörgeln von einzelnen Anwohnenden verworfen. Anwohner*innen mit Fahrrad und die Nutzer*innen der Radroute schauen in die Röhre.

Die Pläne sehen nun eine “duale” Radverkehrsführung vor. Radfshrende sollen die Wahl zwischen zwei Wegoptionen gegeben werden: Vermeintlich unsicheren Radfahrenden wird eine umständliche Zick-Zack-Route durch ein Wohngebiet empfohlen, die aufgrund sehr enger Verhältnisse nicht als Fahrradstraße ausgewiesen werden kann; zudem ist mit (unerlaubt) parkenden Autos zu rechnen. Für zügige und vermeintlich sichere Radfahrende wird die direktere, jedoch unsicherere Route über die Lintertstraße empfohlen, stadtauswärts ist hier lediglich ein Schutzstreifen geplant, stadteinwärts müssen Radfahrende auf der Fahrbahn ganz ohne Radverkehrsanlage fahren.

Einer Radvorrangroute wird diese Planung aus Sicht von U.U.M. nicht gerecht. Die Routenwahl darf nicht vom Können oder der Stressresistenz der Radfahrenden abhängen, sie soll für alle gleich gut und durchgängig befahrbar sein.

Wie kann es weitergehen?

Die Planungen werden nun den politischen Entscheidungsträger:innen vorgelegt. Hier braucht es den Mut, dem Radverkehr deutlich mehr Priorität einzuräumen, um gut funktionieren zu können. Dies ist auch für das Erreichen des Klimaziels der Stadt Aachen - Klimaneutralität bis 2030 - wichtig. Der Autobesitz und somit der ruhende Verkehr auf den Straßen muss hierzu deutlich abnehmen. Dann stehen auch die Türen für eine wirklich gute Verkehrsplanung offen, und die Verwaltung sitzt nicht mehr an dem Dilemma, in zu kleinen Räumen noch Rad-, Fußverkehr und ÖPNV unterzubringen. Hierzu braucht es aber einen klaren Willen der Politik - dieser fehlt bislang, obwohl im direkten Umfeld (an der Forster Linde) genügend Ersatz-Autoparkraum zur Verfügung steht.

Wenn die Rahmenbedingungen jetzt noch nicht stimmen, sollte während der Umgestaltung der Lintertstraße zumindest nicht verhindert werden, dass in ein paar Jahren Verbesserungen umgesetzt werden können, was bei dem jetzt vorgeschlagenem Umbau der Fall wäre. Denn das Ziel kann nicht sein, dass Radfahrende zwischen zwei schlechten Optionen wählen müssen, sondern im Sinne des Radentscheid ein durchgängig, sicheres und komfortables Radwegenetz.

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