Uni.Urban.Mobil.

Uni.Urban.Mobil., VCD Aachen-Düren, ADFC Aachen und Radentscheid Aachen sprechen sich für den radverkehrsfreundlichen Pontwall und einen Ausbau der Infrastruktur für den Busverkehr aus

Stellungnahme 06.05.2022

Der Mobilitätsausschuss entscheidet am 19. Mai über die zukünftige Gestaltung des Pontwalls im Bereich der Mensa Academica zwischen Ponttor und Audimax. Seit ungefähr zwei Jahren war dort eine Protected Bike Lane auf Seite der Mensa Academica als Verkehrsversuch eingerichtet.

Zur Auswahl stehen zwei Varianten: Variante 1 mit Beibehaltung der bisherigen Protected Bike Lane und Neueinrichtung der Protected Bike Lane in die Gegenrichtung. Dies würde zum Ziel der Verwaltung beitragen, auf dem Alleenring zwischen der Maastrichter Straße und Bastei durchgängige, sichere Radverkehrsanlagen anzubieten. Dies ist auch die präferierte Variante der Verwaltung.

Variante 2 würde die Zeit zurück drehen und ungefähr die damalige Markierung wieder herstellen. Die ASEAG und die Straßenverkehrsbehörde lehnen in ihren Stellungnahmen Variante 1 ab, da sie Einschränkungen für den Kfz-Verkehr und den Busverkehr befürchten.

Die Stellungnahme von Uni.Urban.Mobil., VCD Aachen-Düren, ADFC Aachen und Radentscheid Aachen

Die studentische Initiative Uni.Urban.Mobil., der VCD Aachen-Düren, der ADFC Aachen und der Radentscheid Aachen sprechen sich für den Vorschlag der Verwaltung aus, breite Protected Bike Lanes auf dem Pontwall (Variante 1 der Vorlage FB 61/0390/WP18) einzurichten. Insbesondere begrüßen wir das Ziel der Verwaltung, durchgängig eine sichere und komfortable Radverkehrsführung zwischen Maastrichter Straße und Bastei einzurichten, und in einer Richtung perspektivisch bis zum Hansemannplatz reicht. Diese wird auch den RWTH-Campus - insbesondere die Mensa Academica, das Audimax und das C.A.R.L. - sicher an das Radverkehrsnetz anschließen. Weiterhin unterstützen wir das Vorgehen, sichere Radverkehrsinfrastruktur auch ohne großen Umbau und somit zeitnah umzusetzen. Der Verkehrsversuch mit Installation einer Protected Bike Lane am Pontwall hat in den letzten 2 Jahren gezeigt, dass die Auswirkungen auf den Kfz-Verkehr vertretbar sind.

Die Umsetzung der Variante 2 der Vorlage würde eine Unterbrechung des baulich getrennten Radweges entlang der Alleenrings erzeugen und wäre ein fatales Signal für die Umsetzung des Radentscheids, da in dieser Variante die Radfahrstreifen insbesondere auf einer Kfz-Hauptverkehrsstraße nicht baulich getrennt vom motorisierten Verkehr sind. Daher wird diese Variante dem Grundsatz “Sicherheit vor Leistungsfähigkeit” nicht gerecht.

Wir nehmen die Sorge der ASEAG ernst, dass die verringerte Fahrbahnbreite auch den ÖPNV beeinträchtigen könnte. Hierzu betonen wir zunächst, dass während der Baustelle Turmstraße bis Herbst 2023 geringe Kfz-Verkehrsmengen auf dem Pontwall zu erwarten sind, sodass der Busverkehr mit Variante 1 in dieser Zeit nicht eingeschränkt wäre. In dieser Zeit gilt es, die Verkehrsentwicklung zu evaluieren; in der Empfehlung der Verwaltung wird daher zunächst nur eine Markierung und keine Roteinfärbung vorgenommen.

Darüber hinaus erwarten wir, dass durch geändertes Mobilitätsverhalten in den nächsten Jahren der motorisierte Individualverkehr, insbesondere in der Innenstadt, abnehmen wird. Auch die Baustelle Turmstraße könnte das Verkehrsverhalten zugunsten des Umweltverbundes beeinflussen und Gewohnheiten langfristig verändern. Eine langfristige Abnahme des Kfz-Verkehrs würde die Fahrzeiten der Buslinien verkürzen und die Einhaltung des Taktes verbessern. Dieser Effekt sollte durch weitere Maßnahmen auch nach Ende der Baustelle (wie Angebotsausbau ÖPNV, P+R und B+R, Radverteiler Grabenring, Umsetzung des neuen Parkraumkonzepts) verstärkt werden.

Um den ÖPNV weiter zu stärken, fordern die Verbände den Ausbau der Infrastruktur für den ÖPNV im Umfeld des Pontwalls und die Beschleunigung von Buslinien durch folgende Maßnahmen:

  • Schon im Gutachten Busnetz 2015+ wurde vorgeschlagen, die Wüllnerstraße in eine Zweirichtungs-Bustrasse auszubauen. Diese sollte nach der Regionetz-Maßnahme im Jahr 2024 (siehe Straßen- und Wegekonzept) zügig umgesetzt werden. So wird die ohnehin umwegige Führung vieler Linien aus Richtung Audimax über das Ponttor aufgelöst, der Pontwall umfahren und die problematische Abbiegesituation in die Malteserstraße vermieden.
  • Zur Stärkung der Ringlinie 3A/3B fordern wir eine zügige Markierung von Busspuren auf der Ludwigsallee, der Saarstraße und der Monheimsallee mit entsprechender Vorrangschaltung an den Knotenpunkten.
  • Ein gravierender Engpass der Campus-Linie 33 besteht im Frankenberger Viertel. Eine Auflösung dieses Engpasses kann nur durch eigene Busspuren geschehen.
  • Wir fordern eine flächendeckende Offensive der Busbevorrechtigung an Lichtsignalanlagen.
  • Die Campus-Linien 33 und 73 sind seit Jahren eine „rollende Sardinenbüchse“. Eine echte Attraktivitätssteigerung des Busverkehrs braucht eine spürbare Kapazitätserweiterung auf der Achse zum Campus in den Stoßzeiten.

Bei Flächen(neu)aufteilungen dürfen Bus- und Radverkehr nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das übergeordnete Ziel muss die Stärkung des Umweltverbunds sein. Wir hoffen, dass als Ergebnis der Diskussion über die Maßnahmen am Pontwall sowohl der Radverkehr gestärkt wird, als auch wichtige Infrastrukturprojekte für den ÖPNV angestoßen werden.

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