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Verlängerte Bauarbeiten zwischen Düren und Köln: Kritik am Ersatzverkehr trotz vorhandener Kapazitäten

06.08.2026 | Neuigkeit | Stellungnahme

Seit dem 26. Juni 2026 laufen Bauarbeiten auf der Bahnstrecke zwischen Düren und Köln. Ursprünglich sollten sie am 24. Juli abgeschlossen sein, aufgrund einer Panne während der Bauarbeiten wurde der Zeitraum jedoch bis zum 10. August verlängert. Betroffen ist ausschließlich die Hauptbahn; die S-Bahn-Gleise zwischen Düren und Köln bleiben durchgehend nutzbar. Parallel dazu kam es auch zu Sperrungen zwischen Aachen und Mönchengladbach, wodurch Aachen zeitweise vollständig vom Zugverkehr abgeschnitten war.

Ersatzkonzept

Als Ersatz verkehren halbstündige Pendelzüge zwischen Aachen und Düren. Dort ist ein Umstieg in die S-Bahn nach Köln erforderlich. Diese fährt tagsüber im theoretisch im 20-Minuten-Takt, abends nur noch im Stundentakt. Tagsüber fallen zudem sehr regelmäßig Fahrten aus. Bemerkenswert: Sowohl einzelne Güterzüge als auch der Eurostar können die S-Bahn-Gleise zwischen Düren und Köln mitnutzen.

Kritikpunkte am Ersatzverkehrskonzept

Angesichts der grundsätzlich vorhandenen Gleiskapazität stellt sich die Frage, warum das Angebot im Regionalverkehr dennoch so eingeschränkt ausfällt. Im Einzelnen werden folgende Punkte kritisiert:

  1. Unabgestimmte Anschlüsse in Düren: Die Umstiege zwischen S-Bahn und Regional-Express (RE) sind nicht aufeinander abgestimmt. Bei einigen Verbindungen fährt die S-Bahn nur wenige Minuten vor Ankunft des RE aus Aachen ab, was zu langen Wartezeiten in Düren führt.
  2. Keine Wartezeiten bei Verspätungen: Die REs warten nicht auf verspätete S-Bahnen aus Köln, obwohl auf der Strecke Aachen–Düren aktuell deutlich weniger Verkehr herrscht als im Regelbetrieb und entsprechend Spielraum für Flexibilität bestünde.
  3. Ungenutztes Potenzial für ein durchgehendes Tagesangebot: Unklar bleibt zudem, warum tagsüber kein reduziertes, aber durchgehendes Angebot zwischen Aachen und Köln eingerichtet wurde. Während der Streckensperrung im August 2024 wurden REs über die S-Bahn-Gleise geleitet; ein vergleichbares Vorgehen wäre auch diesmal denkbar gewesen. Alternativ hätten einzelne S-Bahn-Fahrten nach Aachen verlängert werden können. Auch wenn dies Einschränkungen im übrigen S-Bahn-Betrieb zur Folge hätte, handelt es sich um eine Frage der Abwägung. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass zeitgleich Eurostar-Züge, die vergleichsweise wenige Reisende zu hohen Preisen befördern, die S-Bahn-Gleise nutzen dürfen.
  4. Entfall eines beiden halbstündlichen RE-Pendel zwischen Aachen und Düren seit dem 24. Juli: Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb seit dem 24. Juli mit einem nochmals verringerten Ersatzangebot gefahren wird
  5. Mangelhafte Fahrgastinformation: Während Verlängerungen der Sperrung schon absehbar waren, wurden Fahrgastinformationen zum Ersatzverkehrskonzept teils erst Tage später bereitgestellt. Teilweise war u.a. auf strecken-info.de bereits eine Verlängerung der Sperrung eingetragen, am Folgetag die dadurch ausfallenden Verbindungen aber immer noch nicht in die Fahrgastauskunftssysteme eingearbeitet.
  6. Ausschilderung der Ersatzbushaltstellen: Insbesondere in Aachen ist die SEV-Haltestelle für nicht ortskundige nicht sofort ersichtlich, eine Ausschilderung ist nicht vorhanden.
  7. Durchgehende S-Bahnen Abends und Nachts: Nach Mitternacht gibt es bereits im regulären Fahrplan durchgehende S-Bahn-Verbindungen zwischen Köln und Aachen. Eine Ausweitung dieser durchgehenden Fahrten auf die Abendstunden wäre ohne Weiteres möglich gewesen.
  8. Einsatz von halbstündlichen Expressbussen zwischen Aachen und Köln: Seit Ende Juli werden durchgängige Expressbusse für den RE1 zwischen Aachen und Köln eingesetzt. Die Fahrzeit von ca 1:20 laut Fahrplan ist relativ zu den Alternative attraktiv. Allerdings werden hier Stadtbusse mit deutlich zu geringen Kapazitäten eingesetzt und nicht immer können alle Reisenden mitgenommen werden. Wir weisen darauf hin, dass Busse, in denen Fahrgäste stehen, laut StVO nur 60km/h fahren dürfen. Ob dies in der Praxis eingehalten wird - auch angesichts des Fahrplans und der Route über die Autobahn - darf bezweifelt werden.

Fazit

Die vorhandene Infrastruktur – insbesondere die durchgehend nutzbaren S-Bahn-Gleise – hätte ein deutlich besseres Ersatzangebot ermöglicht, wie in der Vergangenheit bereits auch umgesetzt. Die aktuelle Umsetzung mit unabgestimmten Anschlüssen, fehlender Wartezeit-Flexibilität und einem unattraktiven Nachtangebot lässt ungenutztes Potenzial erkennen. Mit einer solchen Planung verspielen go.Rheinland und die beteiligten Nahverkehrsunternehmen das Vertrauen der Fahrgäste.

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